Unsere Stipendiaten

Katharina
Stipendiatin 2011
Alter: 29 Jahre
Erkrankung: Morbus Crohn
Wohnort: Meinerzhagen (Sauerland)
Beruf:
Wissen­schaft­liche Mit­ar­bei­terin am Lehr­stuhl für All­ge­meine Päda­gogik der Uni­ver­sität Siegen; Promo­tion im Fach Er­zie­hungs­wissen­schaft zum Thema: Sinn-Bildungs­pro­zesse chro­nisch kranker Jugend­licher in der Postadoleszenz


„Lass dich auch in schweren Zeiten nicht aufhalten und kämpfe für deine Träu­me, denn: ‚Der Schmerz ist ein hei­liger Engel und durch ihn sind Men­schen größer geworden als durch alle Freuden dieser Welt‘
(Adalbert Stifter).
Die Erkrankung kann auch eine Chance sein, es gilt nur, diese zu ent­decken und zu nutzen. Dabei hilft es, sie nicht zu ver­schweigen, sondern offen darüber zu reden und Unter­stützung einzufordern.“

 

Morbus Crohn begleitet Katharina bereits seit Beginn ihres Lebens – erste Symptome der Er­krankung zeigten sich schon im Säug­lings­alter. Mit Leiden­schaft, beson­derem Ein­satz und Ehr­geiz schloss sie Schule und Studium trotz vieler Rück­schläge durch die chro­nisch entzünd­liche Darm­er­krankung ab. So musste Katharina z. B. wegen Kompli­ka­tionen in den Jahren 2009 bis 2011 sechs Mal operiert werden, beruf­lich bedeu­tete dies Arbeits­aus­fälle über mehrere Monate.

 

Da Katharina aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, den schulischen und beruf­lichen Weg mit einer chro­nischen Er­krankung zu meistern, welche An­streng­ungen dies er­for­dert und mit welchen Schwierig­keiten und Ängsten man zu kämpfen hat, befasst sie sich auch beruf­lich auf wissen­schaft­licher Ebene mit diesem Thema. So auch in ihrer Doktor­arbeit, die durch das Stipen­dium unter­stützt wurde. Es ist Katharina ein wichtiges Anliegen sowohl in der Öffent­lich­keit als auch in wissen­schaft­lichen Diskursen auf die Belange junger Menschen mit chro­nischen Er­krankungen auf­merk­sam machen und dadurch zur Ent­tabui­sierung bei­zu­tragen. Sie gibt anderen jungen Men­schen mit CED ein wichtiges Signal, indem sie zeigt, dass man auch mit einer schwe­ren Beein­träch­tigung zu Höchst­leistungen fähig ist, wenn man offen mit seinen beson­deren Bedürf­nissen umgeht, sich nicht ver­steckt, an seinen Träumen festhält und für Nach­teils­aus­gleiche kämpft. Katharina betrachtet chro­nische Erkrankungen bewusst nicht defizit­orientiert – wie es gesell­schaft­lich noch häufig geschieht – sondern als Quelle, die auch unge­ahnte Kräfte und besondere Fähig­keiten freisetzen kann.

 

„Das Stipendium war für mich wie ein Sechser im Lotto und kam genau zur rich­tigen Zeit. Hier­durch war es mir möglich, studen­tische Hilfs­kräfte für die Trans­kription des umfang­reichen Daten­materials meiner Disser­tation einzu­stellen, die ich aufgrund der vielen krank­heits­bedingten Aus­fälle nicht in einem adäquaten Zeit­raum selbst hätte bewerk­stelligen können. Des Weiteren konnte ich, ange­stoßen durch die Stif­tung Darm­er­krankungen, erste Er­fah­rungen im Bereich der Medien­arbeit sammeln, was mir große Freude bereitet hat und mich auch mit Stolz erfüllt. Die Stif­tung nimmt sich der Belange junger Men­schen mit CED an und bedeutet auch in ideeller Hinsicht eine enorme Aner­kennung für Betrof­fene wie mich. Zudem bietet sie den Raum, andere Betrof­fene kennen­zu­lernen, sich aus­zu­tauschen, etwas zu bewegen und weitere inte­res­sante Men­schen kennen­zu­lernen, die alle gemeinsam inter­diszi­plinär für das Thema CED einstehen.“

 

Publikationen von Katharina:

 

Demmer, C./Miketta, K. (2011): In- und Exklusionserfahrungen im Kontext von chronischer Krankheit und Behinderung. Das narrative Interview als Erkenntnisquelle unter dem Fokus biografischer Lern- und Bildungsprozesse. In: Buchmann, U./Diezemann, E./Huisinga, R./Köhler, S./Zielke, T. (Hrsg.): Internationale Perspektiven der Subjektentwicklungs- und Inklusionsforschung. Frankfurt a.M., S.63-82.

 

Miketta, K., (2011): Seeing the invisible – Chronisch kranke junge Menschen als unsichtbare Dimension innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Diversity-Forschung. In: Si:So 2, 16, S. 54-61.

 

Miketta, K./Demmer, C. (2012 im Erscheinen): Teilhabe- und Ausschlusserfahrungen als Bildungsgeneratoren? Rekonstruktive Erkenntnismöglichkeiten anhand biografischer Interviews mit chronisch kranken Jugendlichen in der Postadoleszenz. In: Bock, K./Grabowsky, S./Sander, U./Thole, W. (Hrsg.): Aktuelle Fragen der Jugend(hilfe)forschung. Aus der Reihe „Grundlagen der Sozialen Arbeit“.


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